Arbeitstherapie: Schwämme für Schweden

 
 
Pressemitteilung von: 
12.08.2016
Mehr Selbstvertrauen für psychisch kranke Menschen

Spültücher für Italien, Wischmops für England, Schwämme für Schweden – in diese Länder werden die Produkte exportiert, die in der Tagesstätte für psychische Gesundheit in der Böheimstraße konfektioniert werden. „Hier erlebt ein Besucher: ‚Ich bin Teil der Gesellschaft, ich leiste etwas für diese Gesellschaft“, erklärt Arbeitsanleiter Ingo Scholtes. Aktuell besuchen rund 25 Klienten die Arbeitstherapie in der Einrichtung des Diakonischen Werkes Augsburg (DWA).

Motivationsprämie schafft Anreiz

Farben abfüllen, Etiketten aufkleben, Zubehörteile für Autowaschanlagen aus Metall bearbeiten – in der Arbeitstherapie sind ganz unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten gefragt. Während das Abfüllen von Farben eine einfach strukturierte Arbeit ist, die man mithilfe einer Waage ausführt, erfordert das Aufkleben von Etiketten Genauigkeit und ist daher aufgrund fehlender Feinmotorik für manche Klienten schwierig. Das Setting in der Arbeitstherapie wird soweit wie möglich den Fähigkeiten des Einzelnen angepasst: Wer morgens Schwierigkeiten hat aufzustehen, kommt erst am Nachmittag. Die meisten sind jedoch schon in der Früh da: „Sie haben dann mittags das gute Gefühl, vormittags schon etwas geleistet zu haben“, erklärt Scholtes. Auch die so genannte Motivationsprämie ist ein Anreiz, regelmäßig in die Arbeitstherapie zu kommen. Maximal 77 Euro kann ein Teilnehmer so pro Monat dazuverdienen.

Kurz- und langfristige Ziele erreichen

Der Ausgangspunkt der Arbeitstherapie ist die Überzeugung, dass man in jedem Kranken ein Stück gesunder Persönlichkeit finden kann. Scholtes legt vor Beginn der Arbeitstherapie in einem Gespräch mit dem Klienten kurz- und langfristige Ziele fest. In regelmäßigen Abständen wird dann überprüft, ob die Ziele erreicht wurden. Das kann eine Steigerung der Belastbarkeit, das Vermitteln neuer Kompetenzen oder die Förderung instrumenteller, kognitiver oder sensomotorischer Fähigkeiten sein. Selbst manches Krankheitsbild kann sich in der Arbeitstherapie zum Positiven entwickeln, etwa eine Neigung zur Zwanghaftigkeit: Diese Menschen zählen z.B. ganz genau nach, wieviel Stück sie bereits von einer Ware sortiert haben. Zum Nachteil wird die Zwanghaftigkeit allerdings dann, wenn jemand fünf Mal nachzählen muss, weil er seinem eigenen Ergebnis nicht traut. Indem die Teilnehmer trainieren, sich selbst zu trauen, kann das eigene Selbstwertgefühl verbessert werden. Zu den Auftraggebern der Arbeitstherapie zählen unter anderem die Firmen Keim Farben, Freudenberg, Saum u. Viebahn und WashTec, die ihren Sitz ganz in der Nähe der Tagesstätte hat.

Einsatz im Postdienst

Ein ganz anderes Aufgabengebiet, das ebenfalls zur Arbeitstherapie gehört, hat Armin M.: Der 46-Jährige bezeichnet sich selbst als „Laufburschen“ der Tagesstätte, der von montags bis donnerstags Post von der Einrichtung in die Diakoniezentrale im Spenglergäßchen bringt, Geld von der Kasse holt oder Besorgungen erledigt. Der gelernte Landschaftsgärtner ist bereits seit 16 Jahren Besucher der Tagesstätte. Mehr Selbstvertrauen, mehr Zufriedenheit und weniger Klinikaufenthalte hat ihm seine Tätigkeit nach eigener Aussage gebracht. Das wünscht sich Ingo Scholtes auch für die anderen Teilnehmer der Arbeitstherapie.