Asyl: Projekt netzwerk4A zieht Zwischenbilanz

 
 
Pressemitteilung von: 
27.06.2016
Netzwerk besteht seit einem Jahr

Mitten in einer außerordentlichen Situation der Flüchtlingsaufnahme startete vor einem Jahr das Projekt netzwerk4A in Trägerschaft des Diakonischen Werkes Augsburg (DWA). Das Projekt schrittweise aufzubauen und gleichzeitig auf eine stetig wachsende, hohe Nachfrage auszurichten, waren zentrale Herausforderungen der ersten Projektphase.
Ein Jahr Arbeit nahmen die Projektpartner – neben der Diakonie unter anderem Tür an Tür, die Caritas, die Universität Augsburg sowie verschiedene Kommunen – nun zum Anlass, der Öffentlichkeit die bisherige Arbeit, die beteiligten Partnerinnen und Partner sowie die Mitarbeitenden vorzustellen. Dazu hatten sie ins Café Tür an Tür im Zentrum für interkulturelle Beratung (zib) in der Wertachstraße eingeladen.

Veränderte Flüchtlingsstruktur

Auch die Stadt Augsburg „gehört aus tiefer Überzeugung dazu“, wie Sozialreferent Dr. Stefan Kiefer es formulierte. Er dankte den Netzwerkpartnern, die unter anderem Infoveranstaltungen vor der Errichtung neuer Flüchtlingsunterkünfte in den verschiedenen Stadtteilen immer gemeinsam bestritten hätten und sich dabei auch kritischen Fragen stellen mussten: „Das schweißt zusammen.“ Die momentane Situation mit deutlich weniger ankommenden Flüchtlingen bezeichnete er als „Zwischenphase“, die so nicht bleiben könne. Auch habe sich die Struktur der Flüchtlinge verändert: Kamen 2014 noch überwiegend Menschen aus dem Balkan, waren es 2015 hauptsächlich Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Eritrea, die gute Bleibeperspektiven haben. Als neue Aufgabe stelle sich daher die Integration, besonders in Arbeit und Ausbildung, so Kiefer, der das Netzwerk als „Konstante für die Arbeit mit Flüchtlingen in Augsburg“ bezeichnete.
Im Anschluss präsentierten Mitarbeitende einzelne Schwerpunkte des Projekts wie den Helpdesk, die erste Anlaufstelle im zib, an dem sich in Spitzenzeiten wie montags bis zu 150 Ratsuchende melden. Wichtiger Bestandteil sind die Deutschkurse, die aktuell 182 Teilnehmer haben und in denen ausschließlich ehrenamtliche Dozenten unterrichten. Rund 1.200 Ehrenamtliche organisieren sich im Landkreis Augsburg in so genannten Helferkreisen. Sie werden von Freiwilligenkoordinatoren begleitet, die ebenfalls zum Projekt gehören. Die Frauen- und Elternberatung informiert z.B. über das deutsche Schulsystem, die Nachmittagsbetreuung macht in verschiedenen Unterkünften in der Stadt Augsburg Angebote für Kinder. In der law clinic, einem Angebot der Universität Augsburg, beraten Studenten Flüchtlinge in einfachen rechtlichen Fragen, etwa zum Girokonto.

Forderungen an die Politik

Ziel des Projekts ist es, neu ankommenden Flüchtlingen durch Angebots- und Strukturentwicklung in den Bereichen Information, Beratung und Begleitung den Start in Deutschland zu erleichtern und tragfähige Brücken in die Aufnahmegesellschaft zu bauen: „Sozialarbeit erübrigt sich bei guten Strukturen“, sagte Projektleiter Matthias Schopf-Emrich, der die Veranstaltung nutzte, um einige Wünsche an die Politik zu formulieren. Diese solle etwa den Aufenthalt für anerkannte Flüchtlinge in den Erstaufnahmeeinrichtungen verkürzen, damit die Integration früher beginnen könne. Wer in einer Erstaufnahmeeinrichtung lebt, unterliege z.B. einem Arbeitsverbot. Zudem müsse die Politik Lösungen für Menschen mit Langzeitaufenthalt finden und die Frage des Familiennachzugs regeln.

Info: Drei A im Projektnamen stehen für die Stadt und den Landkreis Augsburg sowie für den Landkreis Aichach-Friedberg, das vierte A für die Asylsuchenden.

Nähere Informationen unter www.netzwerk4a.de