Geschichte

 
 

Unter der Fülle der Institutionen der so genannten Wohlfahrtspflege ist das Diakonische Werk (früher Innere Mission) eine der ältesten Einrichtungen. Erst im 19. Jahrhundert versuchte man, durch organisierte Hilfe auf der Basis von Vereinen dem alltäglichen Elend wirksam zu begegnen. Vorher blieb das weitestgehend den Klöstern oder privater Initiative überlassen.

In der "Fuggerstadt" Augsburg, traditionell eine Stadt mit reichen Bankhäusern, Silberschmieden, Industrie- und Handelsbetrieben, gaben Industrielle und Banker aus den Kirchengemeinden erste Anstöße, tatkräftig auf die Auswirkungen der Industrialisierung zu reagieren, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rasant voranschritt. Nach dem Scheitern erster Vorschläge 1874, eine „Herberge zur Heimat“ für Arbeiter und Lehrlinge zu gründen, kam es 1885 zur Eintragung eines gleichnamigen Vereins. 1887 konnte durch namhafte Spenden Augsburger Bürger ein Anwesen erworben werden, in dem sich diese Herberge zunächst mit 30 Betten und Aufenthaltsräumen etablierte.

In der Zwischenzeit hatten sich in Nürnberg und München Vereine für Innere Mission zusammengeschlossen und den Augsburgern gezeigt, dass sich unter diesem Mantel wesentlich breiter und effektiver kirchliche Sozialarbeit leisten ließ, als zersplittert auf den verschiedensten Gebieten. So beschloss am 19.9.1895 der Vorstand des Herbergsvereins, einen Verein für Innere Mission in Augsburg zu gründen, der neben selbstständigen Aufgaben den anderen Einrichtungen beratend und helfend zur Seite stehen sollte. Gebäudezukäufe im Bereich der Herberge rundeten im Laufe der folgenden Jahre das Areal um das Spenglergäßchen ab, das bis heute Zentrum diakonischer Arbeit ist.

Die Geschichte des Werkes verlief nicht immer ungestört und geradlinig, der Erste Weltkrieg und die Inflation brachten wachsende Aufgaben, aber auch große interne Schwierigkeiten: Immer jedoch verstanden es die Leiter und Mitarbeiter der Inneren Mission, sich umgehend auf die neuen Anforderungen einzustellen und tragbare Lösungen der Probleme zu finden.

Großes taktisches Geschick seiner Vorsitzenden bewahrte den Verein auch im Dritten Reich und dem Zweiten Weltkrieg vor zu schmerzlichen Eingriffen durch den Staat. Auch wenn am Ende dieser Jahre durch Bombenschäden fast alles bis dahin Aufgebaute in Trümmern lag, versuchte die Innere Mission umgehend, allen anstehenden Nöten zu begegnen. Neben der vorrangigen Betreuung von Flüchtlingen und Kriegsheimkehrern plante man auch schon den Wiederaufbau der zerstörten Gebäude, unerlässlich für ein wirksames Arbeiten.

Von 1945 an wuchs das Werk kontinuierlich mit seinen Aufgaben. Was die Innere Mission Augsburg schon immer auszeichnete, bewährte sich auch jetzt: die Flexibilität. So wurden aus Kinderheimen Notunterkünfte für Flüchtlinge und später Seniorenheime, aus Büros wurden Therapieräume und ähnliche Beispiele mehr. Die Schwerpunkte der Arbeit verschoben sich: Die psychologische Arbeit mit Jugendlichen, Langzeitarbeitslosen, psychisch kranken Menschen bekam eine Vorrangstellung, die Altenbetreuung erforderte die Errichtung neuer Heime mit neuen Konzepten. Asylbewerber-Beratung und das Auffangen der Flüchtlingsströme verlangten Beachtung.