Immer mehr Augsburger sind arm
Die Armut in Augsburg breitet sich aus und verfestigt sich immer mehr. Das ist das alarmierende Ergebnis des fünften Augsburger Armutsberichts, der nun von der Augsburger Armutskonferenz vorgestellt wurde. Mitarbeiter der sozialen Beratungsstellen von Wohlfahrtsverbänden und Sozialinitiativen haben sich in der Armutskonferenz zusammengeschlossen und übernehmen seit 1995 eine wichitge Aufgabe, die eigentlich die Stadt erledigen sollte: Das Zusammentragen von aktuellen Zahlen und Fakten zur Armut in der Stadt. Der neueste Bericht macht klar: Geschätzte 30.000 Menschen sind in Augsburg arm, das ist jeder Achte, die Dunkelziffer dürfte höher sein.
Sie haben den Armutsbericht vorgestellt (v. l.): Christine Sturm-Rudat, Sozialverband VdK, Regina Hinterleuthner vom Diözesan-Caritasverband, Anne Güller-Frey von Tür an Tür Integrationsprojekte gGmbH, und Diakonie-Mitarbeiter Matthias Schopf-Emrich.
Armut bedeutet nicht nur zu wenig zu essen zu haben oder die Wohnung nicht heizen zu können, Armut ist häufig mit einem gesellschaftlichen Rückzug und sozialer Diskriminierung verbunden. Dazu kommt sehr häufig der Verlust des Selbstwertgefühls. Hauptgründe für die Verschlechterung der Situation in der Stadt sind laut der Augsburger Armutskonferenz die Einführung von Hartz IV und die Wirtschaftskrise. Gerade in den letzten Wochen ist die Zahl der Hilfsbedürftigen rasant gestiegen. Diakonie-Mitarbeiterin Lisa Hagins erlebt in der Beratung Tag für Tag wie überfordert die Betroffenen sind, ihre Hartz-IV-Bescheide auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen, und wie die zunehmende Bürokratie immer neue Schwierigkeiten in der Alltagsbewältigung aufwirft.
Besonders hart trifft die Armut Kinder, Jugendliche, (Früh-) Rentner, Migranten und Alleinerziehende. Knapp 5.800 Kinder unter 15 Jahren leben in Augsburg in so genannten Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften. Konkret heißt das: Jedes dieser Kinder hat monatlich 211 Euro zur Verfügung – für Essen, Kleidung, Schulmateralien, die Bus- oder Bahnkarte zur Schule und alle anderen Ausgaben des täglichen Lebens. Nicht schwer vorstellbar, dass da kein Geld bleibt für eine Mitgliedschaft im Sportverein, eine Klassenfahrt, einen Kino- oder Zoobesuch, ein Geschenk, wenn man auf einen Kindergeburtstag eingeladen ist, oder schlicht für einen Eisbecher in der Eisdiele.
„Gerade die Kinder leiden besonders, weil ihnen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben versagt bleibt“, sagt Diakonie-Mitarbeiter Matthias Schopf-Emrich, „Armut vererbt sich über Familien- und Bildungsbiographien.“ Darum fordert die Augsburger Armutskonferenz die Einführung eines so genannten Augsburg-Passes. Er soll finanziell benachteiligten Bürgern durch verbilligte Eintritte und günstige Tarife die Teilhabe am kulturellen Leben der Stadt ermöglichen. Außerdem soll es nach den Forderungen der Armutskonferenz künftig ein Sozialticket für die öffentlichen Verkehrsmittel geben. Mit dem bisherigen Mobilitäts-Regelsatz von 14 Euro pro Monat könnten Betroffene zum regulären Tarif gerade einmal achtmal im Innenraumbereich hin und zurück fahren.

Die Diakonie-Mitarbeiter Matthias Schopf-Emrich und Lisa Hagins haben am fünften Augsburger Armutsbericht, der jetzt der Öffentlichkeit präsentiert wurde, mitgearbeitet.
Die Diakonie-Mitarbeiter Matthias Schopf-Emrich und Lisa Hagins haben am fünften Augsburger Armutsbericht, der jetzt der Öffentlichkeit präsentiert wurde, mitgearbeitet.
„Wir haben leider nicht die Manpower, einen mit statistischen Angaben gefüllten Sozialbericht vorzulegen. Das wäre eigentlich die Aufgabe der Stadt“, sagt Christine Sturm-Rudat, Geschäftsführerin des Sozialverbandes VdK. „Es geht uns vielmehr darum aufzuzeigen, wie es den armen Bürgern in unserer Stadt geht, die wir tagtäglich verzweifelt in unseren Beratungsstellen erleben“, fügt Regina Hinterleuthner vom Caritasverband für die Diözese Augsburg hinzu.
Doch trotz besorgniserregender Entwicklungen, die der Bericht aufzeigt, ist Matthias Schopf-Emrich gleichzeitig auch hoffnungsvoll: „Es wird mehr Nachbarschaftshilfe geben müssen und erste wichtige Schritte wurden da zum Beispiel durch die Paten-, Stadtteilprojekte und Mehrgenerationenhäuser in unserer Stadt bereits gemacht.“ Als großen Erfolg wertet Schopf-Emrich außerdem die Tatsache, dass Augsburgs Sozialreferent Max Weinkamm die Augsburger Armutskonferenz inzwischen offiziell um ein Konzept zur Einführung des Augsburg-Passes gegebeten hat. Dieses soll bis Mai fertig sein, anschließend im Stadtrat diskutiert und hoffentlich bald beschlossen werden.
In der Augsburger Armutskonferenz engagieren sich seit 1995 folgende Verbände: Diakonisches Werk Augsburg, Caritasverband für die Diözese Augsburg, Sozialverband VdK, Tür an Tür Integrationsprojekte gGmbH, Arbeitsgemeinschaft für familienfreundliches Augsburg Lokale Agenda 21, Drogenhilfe Schwaben, Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), Katholischer Verband für Soziale Dienste (SKM), das Amt für soziale Leistungen, DGB, Hausfrauenbund, Toys Company, Kartei der Not.
Info:
Den 50 Seiten starken fünften Augsburger Armutsbericht gibt es als pdf-Version zum Downloaden: