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Meine Seele schlägt für Schweden
„Morfar“ nennt Inge Persson ihren Vater Josef Schneider liebevoll. Das ist Schwedisch und heißt Großvater. Zehn Jahre lang hat der Bewohner des Pflegeheims am Lohwald in Schweden gelebt. Gestern feierte er seinen 90. Geburtstag. Aus diesem Anlass war auch Hansjörg Durz, 1. Bürgermeister von Neusäß, in die Einrichtung des Diakonischen Werks Augsburg gekommen. Als Geschenk überreichte er dem Jubilar unter anderem ein Handtuch mit dem Wappen der Stadt Neusäß.


Zum 90. Geburtstag von Josef Schneider (vorne links) gratulierten Bürgermeister Hansjörg Durz und Inge Persson, die Tochter des Jubilars. Foto: DWA/Riske
Zum 90. Geburtstag von Josef Schneider (vorne links) gratulierten Bürgermeister Hansjörg Durz und Inge Persson, die Tochter des Jubilars. Foto: DWA/Riske
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Zum 90. Geburtstag von Josef Schneider (vorne links) gratulierten Bürgermeister Hansjörg Durz und Inge Persson, die Tochter des Jubilars. Foto: DWA/Riske
Um den runden Geburtstag ihres Vaters zu feiern, war Inge Persson mit ihrem Mann aus Schweden angereist: „Mein Vater ist immer ein Abenteurer gewesen.“ Nach der Rückkehr aus der russischen Kriegsgefangenschaft las er im Arbeitsamt in Augsburg den Aufruf: „Grubenarbeiter nach Schweden gesucht“, dem er Anfang der 50er Jahre folgte.

Gebürtig stammt der 90-Jährige aus Karlsdorf im ehemaligen Jugoslawien. Als 18-Jähriger kam er zum Militär und geriet am Ende des Zweiten Weltkriegs in russische Kriegsgefangenschaft. „Es ist mir dort nicht schlecht gegangen“, sagt er rückblickend auf die knapp fünfjährige Gefangenschaft. Als gelernter Schuhmacher musste er schon bald nicht mehr im Wald arbeiten.
Als er zurückkehrte, lernte er im so genannten Regierungslager an der Friedberger Straße in Augsburg seine Frau kennen, mit der er später nach Schweden auswanderte. Doch die Situation war dort nicht leicht: „Die hielten die Deutschen alle für Nazis“, erinnert sich Inge Persson, die in Schweden blieb und dort später eine Familie gründete, als ihre Eltern 1961 nach Augsburg zurückkehrten.

Als wenn man zur Familie gehört

Schwedisch spricht Josef Schneider auch mit 90 Jahren noch gut: „Meine Seele schlägt für Schweden.“ Inzwischen fühlt er sich jedoch auch im Pflegeheim am Lohwald heimisch. Als einziger Bewohner ist er Mitglied im Heimbeirat und nimmt regelmäßig an Aktivitäten wie Gymnastik, Stammtischen oder Kaffeerunden teil. Von dem Pflegeheim ist auch seine Tochter begeistert. Sie müsse der Einrichtung „ein Kompliment“ machen: „So etwas gibt es in Schweden nicht.“ Sie freue sich bei jedem Besuch über das „freundliche Personal“ und das „einzigartige Milieu“. „Als wenn man zur Familie gehört“, ergänzt ihr Vater. Der feierte an seinem Ehrentag mit den anderen Geburtstagskindern des Monats Juni und einem Alleinunterhalter. Und vielleicht hat der Jubilar bei dem einen oder anderen Lied selbst mit eingestimmt, denn auch Singen und Tanzen gehören zu seinen Leidenschaften.

Info: Nähere Informationen über das Pflegeheim am Lohwald gibt es im Internet.
 
erstellt am 01.07.2010



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