Überschuldung trifft besonders häufig Alleinstehende

 
 
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22.06.2021

Augsburg (pm). Alleinstehende Männer sind besonders häufig überschuldet. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes machte ihr Anteil an den Ratsuchenden in Schuldnerberatungsstellen im Jahr 2020 knapp 30 Prozent aus.

Der Anteil alleinerziehender Frauen lag demnach bei 13,8 Prozent. Häufigste Ursache bei beiden Gruppen: Trennung oder Scheidung. Für Harald Eckart, Leiter der Schuldner- und Insolvenzberatung des Diakonischen Werkes Augsburg (DWA), ist das nicht überraschend: „Wenn es nur ein Einkommen gibt und das wirtschaftliche Risiko nicht auf zwei Personen verteilt werden kann, führt das schneller zu finanziellen Problemen.“ Zumal wenn nach einer Trennung nicht mehr länger ein, sondern zwei Haushalte zu finanzieren sind.

Das weiß auch Birgit Keller* aus Gersthofen, die sich mit ca. 20.000 Euro verschuldet hatte. Einige Forderungen waren durch die Trennung vom Partner entstanden, andere dadurch, dass sie als Alleinerziehende beruflich nicht mehr so flexibel war und ihre Arbeitszeit reduzieren musste. Hinzu kam, dass der Ex-Partner erst nach einer gerichtlichen Klärung regelmäßig Unterhalt für die Kinder zahlte. Die Raten der offenen Forderungen, Miete und Strom musste Birgit Keller weiter zahlen. Die Schuldner- und Insolvenzberatung hat dafür gesorgt, dass der gesetzlich vorgesehene Pfändungsschutz bei ihr voll zum Einsatz kam und sie weiter von ihren Einnahmen leben konnte, wodurch auch der Wohnraum gesichert wurde, indem Miet- und Energiekosten weiter gezahlt werden konnten. Das hat auch dazu geführt, dass sich die psychische Situation der Klientin stabilisiert hat. Gemeinsam mit ihr haben die Beraterinnen Möglichkeiten der Schuldenregulierung erörtert, wie etwa den Umzug in eine günstigere Wohnung oder die Beantragung ergänzender Sozialleistungen.

Natürlich haben auch in einigen Fällen die Auswirkungen der Coronapandemie dazu beigetragen, dass Alleinstehende in eine wirtschaftliche Schieflage geraten sind. Beispiel Peter Hofmann*: Der Schwabmünchner hatte vor Corona ein Darlehen in Höhe von 25.000 Euro aufgenommen. Pandemiebedingt bezieht er derzeit jedoch nur Kurzarbeitergeld – in seinem Fall ca. 60 Prozent des Nettogehaltes – und kann die Raten nicht mehr bezahlen. Als Single trägt Peter Hofmann das finanzielle Risiko allein. Freunde oder Familie, die finanziell aushelfen könnten, hat er nicht. Harald Eckart: „Unvorhergesehene Ereignisse wie Trennung, Krankheit oder wie in diesem Fall Kurzarbeit bringen die gesamte Planung zu Fall.“ Gerade bei Miet- und Stromschulden sei schnelles Handeln gefragt, da sonst eine Stromsperre oder eine außerordentliche Kündigung des Mietvertrages droht, die im Fall von Peter Hofmann durch eine Stundungsvereinbarung mit dem Vermieter abgewendet werden konnte. Auch die Information über ergänzende Sozialleistungen, die er beantragen kann sowie die gemeinsame Erstellung eines Haushaltsplanes mit der Schuldner- und Insolvenzberatung haben dazu beigetragen, dass Peter Hofmann heute wieder optimistischer in die Zukunft blickt.

*Namen geändert

Info: Zum Team der Schuldner- und Insolvenzberatung gehören acht Mitarbeiterinnen (sechs Beraterinnen und zwei Verwaltungskräfte), die alle in Teilzeit tätig sind. Das kostenlose Angebot richtet sich ausschließlich an Bürger*innen aus dem Landkreis Augsburg. Kostenträger ist der Landkreis Augsburg mit finanzieller Unterstützung durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.