Stolpersteine erinnern an Opfer des NS-Regimes

 
 
Pressemitteilung von: 
26.10.2021
Für vier ermordete Diakonie-Klienten wurden Mahnmäler eingesetzt.

Roman Filasiewicz, Karl Held, Max, Friedrich Müller, Wilhelm Naser: Vier Namen, vier Menschen, vier Leben.

Nur zwei Dinge verbinden die Männer, die ansonsten sehr unterschiedliche Biographien hatten: Alle wohnten zur Zeit des Nationalsozialismus in der "Herberge zur Heimat", einer Einrichtung der Diakonie Augsburg im Inneren Pfaffengässchen 14.
Und alle wurden von dort nach Anweisung des NS-Regimes in Konzentrationslager verschleppt und umgebracht.

Für jeden der vier Männer wurde nun ein "Stolperstein" vor ihrer letzten selbst gewählten Wohnstätte eingesetzt, in der sich heute das Bodelschwingh-Haus der Diakonie befindet.
Heute ist das Bodelschwingh-Haus eine Wohngemeinschaft für Männer, die nach einer Haftstrafe auf dem Weg in ein geregeltes Leben sind. Sie gestalteten die feierliche Verlegung der Stolpersteine. Dabei wurden die Biographien der vier ehemaligen Bewohner vorgelesen, ein Mitwirkender hatte ein Lied über eines der Opfer komponiert und trug es vor.

Pfarrer Fritz Graßmann, Theologischer Vorstand der Diakonie Augsburg, übernahm stellvertetend die Patenschaft für die vier Stolpersteine. Ihn erschrecken besonders die banalen Gründe, aus denen die vier umgebracht wurden: "Keiner dieser vier Männer war ein Verbrecher. Dennoch wurden sie als so genannte „Asoziale“ oder „Gemeinschaftsschädliche“ aussortiert. Sie kamen aus unserer Unterkunft direkt in die Konzentrationslager in Dachau, Buchenwald oder Sachsenhausen. Zwei von ihnen starben dort. Die anderen beiden gingen in die in Hartheim bei Linz. Das ist einfach nur erschütternd."

Dass Filasiewicz, Held, Müller, Naser bei der Diakonie keinen Schutz fanden, nimmt er als Anlass, heute umso mehr Verantwortung für die Bewohner*innen und Klient*innen der Diakonie zu übernehmen: "Die Menschen, die damals dort wohnten
und deportiert wurden, sind denen sehr ähnlich, die heute dort leben. Sie sind Menschen wie du und ich. Sie haben ein Recht auf Solidarität der Allgemeinheit, damit auch ihr Leben gelingt. Dafür arbeiten wir."

Die goldfarbenen Stolpersteine erinnern an die Opfer der Nazi-Diktatur. Die europaweite Kunstaktion wurde vom Berliner Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen, der die Einsetzung am Bodelschwingh-Haus persönlich vornahm.

Weitere Informationen zur Aktion gibt es unter: www.stolpersteine.eu