Bodelschwingh-Haus: Zwischen Tradition und Moderne

 
 
Pressemitteilung von: 
30.09.2019
Heimat auf Zeit für Haftentlassene

Nach knapp eineinhalb Jahren Bauzeit wurde das Wiedereingliederungszentrum für haftentlassene Männer im Inneren Pfaffengäßchen feierlich wiedereröffnet.
Eine Einrichtung wie das Bodelschwingh-Haus sage viel über das Selbstverständnis der Diakonie aus, sagte Pfarrer Fritz Graßmann, Theologischer Vorstand des Diakonischen Werkes Augsburg (DWA) in seiner Begrüßung: „Wir gehen auch dorthin, wo andere einen Bogen machen. Wir packen auch die heißen Eisen an.“ Das gelte für die Flüchtlingsarbeit ebenso wie für die Sozialpsychiatrie und eben die Haftentlassenen. Dabei gehe es neben der Resozialisierung, die „kein populäres Thema“ sei, immer auch um Opferschutz.
Das Bodelschwingh-Haus ist aktuell die einzige Einrichtung ihrer Art in Schwaben und eine Keimzelle der Diakonie in Augsburg. Den Bogen von der ehemaligen „Herberge zur Heimat“ zur modernen Resozialisierungseinrichtung spannte Dr. Ilona Luttmann, Fachvorstand des DWA: Der Gedanke der Heimat lebe im Bereich der Straffälligen weiter, die im Bodelschwingh-Haus ein Zuhause auf Zeit finden. „Es ist eine vorübergehende Heimat, in der die Voraussetzungen der Teilhabe ohne Straftaten in der Zukunft geschaffen werden sollen“, so Luttmann. Grundlage dafür seien „moderne Konzepte, die sich in den Jahrzehnten, entsprechend der gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen, verändert haben“. Diese könnten wiederum nur in den entsprechenden Räumlichkeiten umgesetzt werden. Die Urzelle der Diakonie, mit der einmal vor über 100 Jahren alles begonnen hatte, erstrahle jetzt „ in der Mitte des diakonischen Areals in neuem Glanz“.

Würdigung durch politische Würdenträger

Auch Staatssekretärin Carolina Trautner machte deutlich, dass moderne Räumlichkeiten die Bedingung für zeitgemäße Konzepte sind: „Um auch künftig Haftentlassene, Suchtgefährdete und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen bestmöglich betreuen zu können, müssen auch die baulichen Rahmenbedingungen stimmen.“ Als „Solitär“ würdigte Bezirkstagspräsident Martin Sailer das Bodelschwingh-Haus. Daher habe der Bezirk Schwaben auch einer Platzzahlerhöhung von aktuell 36 auf dann 57 Plätze zugestimmt. Wenn Kostenträger und Einrichtungsträger an einem Strang zögen, „dann kann es uns gelingen, den Menschen hier den Start in ein neues Leben zu ermöglichen, bei dem sie nicht mehr auf öffentliche Hilfen angewiesen sind“, so Sailer.
Auf die Rolle der Stadt Augsburg als Partner der Diakonie und anderer Träger in der Augsburger Beratungsstelle für Strafentlassene (ABS) verwies Sozialreferent Stefan Kiefer: „Diese Kooperation ist gerade in Zeiten knappen Wohnraums wichtiger denn je, um Strafentlassenen nach Ende der Haft die Rückkehr in geordnete Lebensverhältnisse zu ermöglichen. Hier habe man in Augsburg in den letzten Jahren „ein ganz breites Netzwerk ‚Wohnungslosenhilfe‘“ geschaffen, so Kiefer.

Dank an Förderer

Markus Bottlang, Kaufmännischer Vorstand des DWA, dankte den Spendern und Förderern, die die Modernisierung unterstützt haben, allen voran das Deutsche Hilfswerk mit 300.000 Euro und die Bayerische Landesstiftung mit 144.000 Euro. Die Bußgeldzuweisungen der Justiz betrugen 162.580 Euro. Insgesamt beliefen sich die Kosten der Sanierung auf rund 2,94 Millionen Euro. Diese beinhalten auch den Austausch der Ausstattung und die Gestaltung der Außenanlagen, die in diesen Tagen abgeschlossen wird.
Musikalisch begleitete die Folkband Khwaerthon.AB die Einweihungsfeier, die in der Vergangenheit bereits mehrfach für das Bodelschwingh-Haus gespendet hatte. Beim Buffet, vom Hauswirtschaftsteam der Einrichtung zubereitet, konnten sich die Festgäste stärken und bei einer Führung durchs Haus Wissenswertes über das Gebäude und das Konzept der Einrichtung erfahren und mit Mitarbeitenden und Bewohnern ins Gespräch kommen.