Ein Angebot für Familien, die durchs Raster fallen

 
 
Pressemitteilung von: 
02.11.2016
Großtagespflege in Oberhausen

2013 startete die Hausaufgabenbetreuung im evangelischen Gemeindezentrum St. Johannes in Oberhausen im Rahmen eines Projektes. Träger ist seit 2014 das Diakonische Werk Augsburg (DWA) in Kooperation mit der Kirchengemeinde und weiteren Partnern wie dem Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Augsburg, der Agita Agentur für Kindertagespflege, dem Deutschen Kinderschutzbund und dem Förderverein Kinder, Eltern, Senioren e.V. (Ki.E.S.).
Die Großtagespflege, die seit Februar 2016 besteht und  neben der Hausaufgabenbetreuung auch Freizeitgestaltung und Elternarbeit umfasst, richtet sich an Schüler mit Migrationshintergrund, die eine der drei Oberhauser Grundschulen Drei-Auen-Schule, Werner-Egk-Schule oder Löweneckschule besuchen. Insgesamt stehen acht Plätze zur Verfügung. Pfarrerin Snewit Aujezdsky, die an der Drei-Auen-Schule evangelische Religion unterrichtet, sorgt dafür, dass Familien von dem Angebot erfahren.

Mitarbeiterinnen mit Migrationshintergrund

„Mit der Großtagespflege versuchen wir, eine Lücke zu schließen“, sagt DWA-Mitarbeiterin Elena Filippova, die als Projektleitung in enger Zusammenarbeit mit der agita das Angebot koordiniert. Denn Eltern, die – etwa wegen fehlender Sprachkenntnisse – nicht berufstätig sind, haben keinen Anspruch auf einen Hortplatz für ihre Kinder. Bedarf haben sie trotzdem: Denn gerade weil ihnen die nötigen Deutschkenntnisse fehlen, können sie ihre Kinder in schulischen Fragen nicht unterstützen.
„Hausaufgabenbetreuung ist nicht gleich Nachhilfe“, betont Elena Filippova, um bei den Eltern keine falschen Erwartungen zu wecken. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen – das gilt auch in der Großtagespflege. Wenn die Schüler ab 14 Uhr kommen – nachdem sie zuhause zu Mittag gegessen haben – erledigen sie zunächst ihre Hausaufgaben. Dabei helfen ihnen die beiden Kinderpflegerinnen Irina Kaschurow und Yelena Daungauer. Als Spätaussiedlerinnen haben beide Migrationserfahrung: Irina Kaschurow stammt aus Russland, Yelena Daungauer aus Kasachstan. Beide waren in der ehemaligen Sowjetunion Mittelschullehrerinnen. „Sie wissen, wie es ist, eigene Kinder im neuen Land, einem neuen Bildungssystem zu erziehen“, erklärt Elena Filippova. „Sie können die Probleme der Eltern mit Migrationserfahrung gut nachvollziehen.“  Aktuell betreuen die beiden Kinderpflegerinnen mehrere Viertklässler, die vor dem Übertritt auf eine weiterführende Schule stehen und daher deutlich mehr Hausaufgaben mitbringen als noch im vergangenen Schuljahr.

Auch in den Schulferien geöffnet

Nach den Hausaufgaben stehen ganz unterschiedliche Aktivitäten auf dem Programm: miteinander singen, zusammen Pizza oder Apfelkuchen backen, die Bibliothek in Oberhausen besuchen, auf einem nahegelegenen Sportplatz Fußball, Basketball oder Badminton spielen. Die Großtagespflege ist Montag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr geöffnet, und das auch während der Schulferien.
Eltern, die berufstätig sind, zahlen einen monatlichen Beitrag von 101 Euro. Familien, die soziale Leistungen beziehen, bekommen über das Sozialamt der Stadt Augsburg finanzielle Unterstützung. In bestimmten Fällen kann auch das Jobcenter einspringen, etwa wenn eine Mutter nur dann einen Sprachkurs besuchen kann, wenn ihr Kind in dieser Zeit betreut wird. Auch der Verein Ki.E.S. unterstützt nach seinen Möglichkeiten finanziell.

Kontakte zu anderen Gruppen

In der Großtagespflege kommen die Mädchen und Buben auch mit anderen Gruppen in Kontakt, die das evangelische Gemeindezentrum nutzen, etwa dem Seniorentreff, der Kuchen oder Kekse vorbeibringt oder der Krabbelgruppe, mit deren Kindern die Schüler gerne spielen. Viele Eltern holen ihre Kinder persönlich aus dem Gemeindezentrum ab und nutzen diese Zeit, um Fragen zu stellen. Geplant ist zukünftig auch ein wöchentlicher Elterntreff im Rahmen eines Sprachcafés, in dem sich Mütter und Väter informieren, austauschen und Deutsch üben können.