Schuldnerberatung: Altersarmut nimmt zu

 
 
Pressemitteilung von: 
20.04.2016
Diakonieeinrichtung legt Jahresbericht vor

6,38 Prozent betrug die Schuldnerquote im vergangenen Jahr im Landkreis Augsburg. Damit liegt die Kommune sowohl unter dem bundesdeutschen als auch unter dem bayerischen Durchschnitt (9,92 bzw. 7,12 Prozent). Anteil an dieser vergleichsweise niedrigen Quote hat sicher auch die Arbeit der Schuldnerberatungsstelle des Diakonischen Werkes Augsburg (DWA). Kostenträger der Einrichtung ist der Landkreis Augsburg.

Mindestlohn reicht nicht zum Leben

Arbeitnehmer, die trotz Mindestlohn kein Auskommen haben, Rentner, die erhöhte Ausgaben für Medikamente nicht aufbringen können, Menschen, denen wegen ihrer Schulden ein Wohnungsverlust droht – das waren die Themen, die die Schuldnerberatungsstelle im Jahr 2015 beschäftigt haben. Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht der Einrichtung hervor. „Arm und überschuldet – trotz Arbeit“ lautete das Motto der bundesweiten Aktionswoche der Schuldnerberatungsstellen im vergangenen Jahr. „Selbst der Mindestlohn garantiert kein Auskommen, Alleinverdiener können ihre Familien damit kaum ernähren“ heißt es dazu im Bericht. Der Anteil der Ratsuchenden, die „dauerhaftes Niedrigeinkommen“ als Ursache für die Verschuldung angaben, hat sich 2015 im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt (von 8 auf 15 Prozent).

Altersarmut nimmt zu

Auch das Thema Altersarmut ist stärker in den Fokus gerückt: Die Lebenshaltungskosten werden im Alter nicht geringer, oft entstehen sogar erhöhte krankheitsbedingte Ausgaben. „Um das mit einer kleinen Rente stemmen zu können, sind Entbehrungen auf anderen Gebieten notwendig“, sagt Sabine Roth, Mitarbeiterin der Beratungsstelle. Bei den Schulden älterer Menschen handelt es sich häufig um Kreditverpflichtungen bei Banken. „Hier geht es zum großen Teil um Ratenkredite, die mit einer geringen Rente oder Grundsicherung im Alter nicht mehr bedient werden können“, so Roths Kollegin Susanne Grußler. Wer im Rentenalter noch Schulden aus der Zeit der Erwerbstätigkeit hat, findet sich schnell in der Überschuldung wieder.
Der Anteil der Über-60-jährigen Klienten ist in der Beratungsstelle von einem Prozent im Jahr 2004 auf zehn Prozent im Jahr 2015 gestiegen. Bundesweit ist der Anstieg sogar noch gravierender: In den vergangenen beiden Jahren nahm die Überschuldung bei den 60- bis 69-Jährigen um 12,4 Prozent zu, bei den Über-70-Jährigen sogar um 35,4 Prozent.

Präventionsprojekt für Jüngere

Dabei wiegt die Armut für die Betroffenen oft besonders schwer: Während jüngere Menschen Armut als vorübergehende Lebensphase ansehen, aus der sie sich herausarbeiten können, fehlt älteren Menschen diese Perspektive. Um auch schon bei den Jüngeren eine Verschuldung zu vermeiden, setzt die Schuldnerberatungsstelle der Diakonie auf Prävention: „No crash for my cash“ heißt ein Projekt an Förder-, Mittel- und Realschulen im Landkreis. Kostenträger ist hier das Amt für Kinder, Jugend und Familie. Ziel der Einheiten, die je drei Schulstunden umfassen, ist die Stärkung der Finanzkompetenz und die Sensibilisierung für das Thema Schulden. Damit für die Schüler der Gang zur Schuldnerberatung hoffentlich gar nicht erst nötig wird.