Videoberatung: Corona als Anstoß für Digitalisierung

 
 
Pressemitteilung von: 
05.08.2020
Evangelische Beratungsstelle berät auch digital

Im Frühjahr hatte die Evangelische Beratungsstelle die Videoonlineberatung gestartet. Nach rund 100 Tagen zieht die Einrichtung des Diakonischen Werkes Augsburg (DWA) eine erste Zwischenbilanz.

Corona sei ein wichtiger Anstoß gewesen, um die Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen. So beschreibt Diplom-Sozialpädagoge (FH) Franz Kirschner seine persönlichen Erfahrungen mit der Videoonlineberatung, die die Berater*innen als „weitere sinnvolle Möglichkeit“ entdeckt und genutzt hätten. Auch wenn die persönliche Beratung für ihn weiter der „Königsweg“ sei, ermögliche die Videoonlineberatung mehr „Flexibilität im Beratungsprozess“ und Sitzungen könnten kürzer gefasst werden. Ein Einzelgespräch dauert üblicherweise 50 Minuten, für ein Paar- oder Elterngespräch werden 90 Minuten angesetzt. Wenn es aber bereits nach 40 Minuten genug zu reflektieren und als „Hausaufgabe“ zu bearbeiten gebe, könne man eine Session auch früher beenden. Das lohnt sich bei einer Anfahrt zum persönlichen Gespräch in der Beratungsstelle in der Regel nicht.
Insgesamt habe Corona die Ungleichheiten zwischen den Familien verstärkt, hat Kirschner beobachtet. Ein Beispiel: Im Reihenhaus mit Garten und separatem Arbeitszimmer stehen Eltern und Kinder die Krise besser durch als in einer kleinen Wohnung ohne Balkon.

Zehn Jahre Onlineberatung per Mail

Bereits seit zehn Jahren arbeitet die Evangelische Beratungsstelle mit der Onlineberatung per Mail. Im Gegensatz zur Videoberatung treten die Ratsuchenden nicht per Bild und „live“ mit den Berater*innen in Kontakt, sondern schicken ihre Anfragen dann, wenn es für sie zeitlich passt – z.B. in der Mittagspause oder abends, wenn die Kinder schlafen. Eine Antwortmail bekommen sie in der Regel innerhalb von zwei Werktagen.
Im Jahr 2019 gingen insgesamt 108 Anfragen per Mail ein. Laut Beraterin Christa Röger-Emerich haben sich die Zahlen seit drei Jahren auf diesem Niveau eingependelt. Aus rund einem Viertel der Kontakte ergab sich im vergangenen Jahr eine persönliche Beratung. Die Gründe, eine Onlineberatung per Mail in Anspruch zu nehmen sind vielfältig – und waren es auch schon vor Corona: Schichtarbeit etwa lässt sich nicht immer mit den Öffnungszeiten der Beratungsstelle vereinbaren. Manche Themen erleben die Anfragenden als so schambesetzt, dass sie nicht mit einem direkten Gegenüber darüber sprechen möchten.

Mehr Anfragen von Frauen

Deutlich mehr Frauen als Männer nutzen die Gelegenheit, sich per Mail Hilfe zu holen, „wenn es in ihren Beziehungen schwierig wird“, beobachtet Röger-Emerich. „Für Männer scheint es nach wie vor herausfordernd zu sein, wenn sie Hilfe brauchen.“ Da helfe auch das technische Medium als Brücke offensichtlich nur wenig. Auch wenn es die Frauen sind, die anfragen, könne sich daraus eine Paarberatung ergeben. Ein Effekt, den immer mehr Paare nutzen, gerade wenn einer nicht zum gemeinsamen Gang in die Beratungsstelle zu bewegen ist. Konkret läuft das so ab, dass z.B. eine Frau die Onlineberatung kontaktiert und ihr Problem beschreibt. Über die Antwort der Beraterin tauscht sie sich mit ihrem Partner aus, das Ergebnis des Austausches mailt sie wiederum an die Beraterin. „Als systemisch ausgebildete Therapeutin beschreibe ich in meiner Antwort, was an gemeinsamem Muster sichtbar wird“, erklärt Christa Röger-Emerich. „Das hilft dem einen oder anderen Paar, ohne Schuldzuweisungen einen neuen Blick miteinander zu entwickeln.“ Ähnlich wie ihr Kollege Franz Kirschner kommt sie zu dem Fazit, dass die Onlineberatung die klassische face-to-face-Beratung „auf gute Art und Weise“ ergänzt.